Farm Fiction: Wie Good Bank Indoor Farming erlebbar macht

Vor etwa zwei Jahren hat Good Bank mit seinem Vertical-Farming-Modell auf sich aufmerksam gemacht. Wie geht es dem Konzept heute? Ein Besuch.

Als Good Bank im April 2017 den ersten Laden in der Nähe vom Hackeschen Markt in Berlin eröffnete, war der Presseansturm groß. Hier gab es nicht nur gesunde Salate, sondern eine eigene Farm inklusive und das alles auf wenigen sehr schicken Quadratmetern. Aus dem Schrank auf den Teller sozusagen. Denn Good Bank verwendet im ersten Bistro Module von Infarm, in denen der Salatkopf vor den Augen des Gastes wächst und geerntet wird. Rund 70 dieser Salate wandern täglich in die frischen Gerichte des jungen Unternehmens, so die Gründerin Ema Šimurda.

Kurz darauf holte man den Koch Santiago Lastra für eine neue Speisekarte dazu, der zuvor René Redzepis rechte Hand beim Noma in Mexiko war. Schön in der Theorie, jedoch nicht gut in der Praxis: „Du kannst den Gästen ganz tolle Gerichte geben wie eine Bowl mit Riesling-Dressing oder Karotten im Kaffeesatz aus dem Ofen mit Ziegenkäse. Aber bei uns waren die Gäste damit einfach überfordert. Da muss man einen Kompromiss finden und verstehen, was will denn dein Gast. Denn es geht ja nicht um mein eigenes Ideal“, resümiert Šimurda.

Altes und Neues vereint

Inzwischen ändert sich die Karte dreimal im Jahr und nur Klassiker bleiben fester Bestandteil wie „Burn the Avocado, Honey“ und „Vegan Truffle Mushrooms“. Avocado, die umstrittene Frucht, bezieht man hier übrigens direkt aus einer Kooperative in Ruanda. Der zweite Gründer Leandro Vergani hat dort einige Zeit gearbeitet und so direkte Kontakte zu den Bauern vor Ort geknüpft. So habe man besseren Einblick in die Produktionsbedingungen.

Šimurda fasst die Idee zusammen: „Wir sind zwar ein typisches Fast-Casual-Konzept, aber bei uns ist fast alles hausgemacht. In Verbindung mit der Innovation und dass wir unsere eigenen Rezepte mit unseren Köche entwickeln, super leckere und spannende All-Day- und Catering-Gerichte und -Produkte erfinden, ist das wirklich eine Art zweites Level dieser Fast-Casual-Konzepte. Nicht mehr so kühl und nur auf Lunch ausgerichtet.“

Zweieinhalb Jahre später eröffnete Good Bank nun den zweiten Laden ebenfalls in Mitte. Heller ist es hier, luftiger, als im langen Schlauch in der Rosa-Luxemburg-Straße. Neu ist auch, dass sie jetzt alle Vertical-Farming-Schränke selber bauen. In eigenen Pilzfarmen wachsen außerdem Limonen- und Rosenseitlinge unter Dampfbad-Bedingungen aus Pilzsubstrat aus der Steiermark. Fast ein bisschen wie Dry-Aged-Fleisch sieht diese Hängung von riesigen Säcken mit Bio-Pilzsubstrat im Gastraum aus. Auf allen Farming-Schränken sollen bald auch NFC-Sticker angebracht werden, über die der Gast mehr Informationen über den Anbau direkt auf sein Handy bekommt. Einer der Kästen ist die sogenannte Lab-Farm. „Da testen wir zum Beispiel Radicchio mit rosa Punkten und sind schon super gespannt, wie sich die Farben entwickeln werden“, erklärt Šimurda. Farm Fiction nennt man das hier: landwirtschaftliche Innovationen verknüpft mit Storytelling.

Und wie geht es bei Good Bank weiter?

Ergänzt wird das Angebot bald noch durch einen Retailbereich mit eigenen Limonaden, Honig, Matcha- und Acai-Extrakt oder auch Seedbombs für die eigene grüne Revolution. Neben dem Cateringangebot hat in diesem Jahr außerdem noch ein dritter Laden in Berlin-Moabit eröffnet. Danach wird der Einzug in die Supermärkte in Angriff genommen mit Produkten, die auf eine breitere Masse zugeschnitten sind.

Good Bank
Rosa-Luxemburg-Str. 5, 10178 Berlin
Dorotheenstraße 37, 10117 Berlin
Alt-Moabit 104, 10559 Berlin

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Alle Fotos: Good Bank

Susanna