Fleischersatz Jackfruit: Is(s)t das die Zukunft?

Dem Klima zuliebe sollten wir alle besser auf Fleisch verzichten – doch das fällt nicht immer leicht. Könnte die Jackfruit die Lösung sein?

Vielleicht ist der ein oder andere in den vergangenen Monaten schon mal über sie gestolpert. Sei es als „Pulled Pork“-Version auf dem Burger, abgepackt im Drogeriemarkt oder in Scheiben geschnitten in der Obstabteilung: Die Jackfruit kommt. „Als wir vor etwa eineinhalb Jahren ein Sandwich mit der Frucht bei uns auf der Karte stehen hatten, hat sich niemand dafür interessiert“, erzählt uns Verena Bahlsen vom Hermann’s beim Dinner in dem Berliner Food-Space. Vor ihr liegt eine in große 10-Kilo-Frucht aus Indonesien. „Seit Januar haben wir den Jackfruit-Burger im Angebot und er ist mittlerweile unser Bestseller.“ Sie und ihr Restaurantteam beschäftigen sich bereits seit längerem intensiv mit der Tropenfrucht und zeigen uns an diesem Abend, was es mit dem Hype um sie auf sich hat.

Während wir in Deutschland gerade erst anfangen, die Jackfruit für uns zu entdecken, ist sie in ihren Herkunftsländern schon längst fester Bestandteil der dortigen Küche. Die Frucht, die nach einer Mischung aus Mango und Ananas schmeckt, wächst vor allem in tropischen Gebieten, etwa in Indien, Thailand, Sri Lanka oder Indonesien. Dort landet sie in Currys, wird getrocknet oder eingelegt. Die großen Kerne werden gekocht, geröstet oder zu Mehl verarbeitet. Mit der Veganismus- und Vegetarismus-Welle hat sich aber vor allem das faserige Fruchtfleisch als Fleischersatz in den westlichen Ländern einen Namen gemacht. Da es bei einer noch unreifen Frucht – reif schmeckt sie zu süß und intensiv – relativ geschmacksneutral ist, lässt es sich mit der richtigen Gewürzmischung wunderbar in Pulled Pork oder Gulasch verwandeln.

Wie steht es um die Ökobilanz der Jackfruit?

Dass wir unseren Fleischkonsum für das Klima dringend zurückschrauben müssen, steht außer Frage. Laut WWF entstehen nahezu 70 Prozent der direkten Treibhausgasemissionen unserer Ernährung durch tierische Produkte. Wenn alle Deutschen einmal die Woche auf Fleisch verzichteten, würde das bereits so viel Treibhausgasemissionen einsparen wie in etwa durch 75 Milliarden Kilometer Autofahren entstünden. Doch bietet die Jackfruit da wirklich eine bessere Ökobilanz? Schließlich steht sie bereits durch den langen Transportweg eher schlecht dar. „Laut eigener Rechnung hat sie einen geringeren CO2-Ausstoß als rotes Fleisch“, meint Verena Bahlsen. Dennoch sei auch die Jackfruit aufgrund der fernen Anbau- und Verarbeitungsgebiete nicht die ultimative Lösung.

Fazit: Die Jackfruit ist eine schöne geschmackliche Abwechslung, nicht nur als Fleischersatz. Uns hat sie vor allem auch roh zugesagt. Mit Kokosmilch oder pur schmeckt sie erfrischend und süß zugleich. Doch ob sie unbedingt auf unserem Speiseplan stehen muss, halten wir aufgrund des weiten Anreiseweges für fraglich. Bei bereits in Dosen abgepacktem Fruchtfleisch kommt außerdem immer Verpackungsmüll obendrauf.

Jackfruit als „Pulled Pork“

Laut Utopia.de gibt es bisher auch nur wenige Betriebe, die die Früchte nach den Richtlinien des biologischen Anbaus kultivieren. Für den heimischen Markt in Asien würden die Früchte zudem teils in Monokulturen angebaut. Wer sie dennoch unbedingt mal probieren und sich ein eigenes Bild machen möchte, mittlerweile gibt es ein paar wenige Anbieter, wie Jacky F. oder Govinda, die Bio-Jackfruit anbieten. Doch ob es überhaupt Fleischersatzprodukte braucht, damit wir weniger Fleisch essen? Das ist noch mal eine ganz andere Geschichte.

Milena