Der nächste Drink wird ohne Strohhalm serviert – Wieso Nachhaltigkeit im Barbereich immer wichtiger wird

Wenn es um genussvolles Trinken geht, denkt kaum jemand an die Umwelt. Doch einige Barkeeper erkennen, dass es auch anders geht.

Nachhaltigkeit, ein Schlagwort, das wir wohl alle schon einmal gehört haben und zu dem uns auf Anhieb ein paar Dinge einfallen. Wir vermeiden die Plastiktüten beim Einkaufen, verzichten vielleicht auf Lieferservices für Essen und den enormen Müllberg, den diese bei uns zu Hause hinterlassen oder haben sogar schon einen wiederverwendbaren To-Go-Kaffeebecher. Aber was fällt uns zu dem Thema ein, wenn es um Bartender und Drinks geht?

Eine ganze Menge, wie inzwischen führende Barkeeper Deutschlands finden und mit gutem Beispiel vorangehen.

Einer von ihnen ist Arnd Henning Heissen, der für die beiden Bars Curtain Club und Fragrances im Berliner Hotel Ritz Carlton zuständig ist. Er hat entgegen dem expliziten Wunsch der Gäste, die Luxus leider immer noch oft mit importierten oder bekannten Marken gleichsetzen, einige Änderungen umgesetzt. So streicht er das in Plastikflaschen und lange als besonders edel geltende Fidji-Wasser von seiner Karte und ersetzt es mit Wasser des Hamburger Projektes Viva con Agua, von dessen Erlösen ein Teil an gemeinnützige Einrichtung gespendet wird.

Ein anderer Dorn im Auge sind ihm die vielen Plastikstrohhalme, an die wir uns inzwischen so gewöhnt haben, dass wir sie nicht hinterfragen. Doch gerade die engen Plastikröhrchen sind für viele Meeresbewohner, bei denen sie als Abfall am Ende leider oft landen, lebensgefährlich. Der einzige Drink, der einen Strohhalm verlange, sei, so Heissen, einer mit Crushed Ice oder besonders vielen Eiswürfeln, der sich sonst einfach nicht trinken lässt. Inzwischen gibt es zwar einige Alternativen zum Halm aus Plastik, etwa aus Metall, Glas oder Bambus. Doch sie alle bringen ihre eigenen Herausforderungen mit sich. Bei Glas ist die Verletzungsgefahr groß und Bambus lässt sich nur schlecht reinigen.

Auch sein Kollege Paul Thompson aus dem Hotel Schloss Bensberg und amtierender deutscher Cocktail-Meister, setzt sich viel mit dem Thema auseinander. Anstelle von Sirupen und Likören, die mit von weit her importierten Früchten hergestellten wurden, produziert er seine eigenen und verwendet dabei die ganze Frucht. Denn auch das gehört zum nachhaltigen Arbeiten an der Bar: Die Schale der Birnen finden genauso ihren Weg in den Sirup wie das Fruchtfleisch.

Natürlich spielt auch das Thema Spirituosen eine große Rolle. Oft sind noch die großen Marken ausschlaggebend, die mit dem Flugzeug oder per Schiff zu uns kommen. Dabei gibt es inzwischen eine Vielzahl an regionalen Spirituosen, die mit den etablierten locker mithalten können. Gerade der Gin-Markt scheint in Deutschland förmlich zu explodieren und befördert in regelmäßigen Abständen ein neues Destillat auf den Markt. Oder die Spreewood Distillers, die im schönen Spreewald nicht weit von Berlin wunderbaren Whiskey herstellen.

Kurz zusammengefasst: Nachhaltigkeit im Barbereich bedeutet den Verzicht auf Plastikstrohhalme, exotische Früchte, importierte Spirituosen, generell Getränke in Plastikflaschen, sparsamen Einsatz von Eiswürfeln, Herstellung eigener Sirupe aus regionalen Früchten, gute Warenwirtschaft und so wenig Abfallerzeugung. Darum sollten sich mehr Lokale bemühen.

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Titelbild: © Lindsay Cotter/Unsplash/CC

Susanna

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