Indisch 2.0 – Wie das Bombay Café Bunty’s neue Wege geht

Tiefkühlerbsen, einfallslose Currys und irgendwie eingestaubt: Moderne indische Lokale sucht man hierzulande fast verzweifelt. Doch es besteht Hoffnung – dank neuer Restaurantkonzepte.

Als Bunty (bürgerlich Suhasish Chakraborty) nach Berlin kam, hatte er eigentlich gar nicht vor, ein Restaurant zu eröffnen. Seine Familie besitzt im indischen Mumbai, früheren Bombay, ein Fünf-Sterne-Hotel und er pendelte zwischen seiner Heimat und London, wo er mit Freunden eine App entwickelt. Zufällig kam dann vor einem Jahr ein Wohnsitz in Berlin dazu und mit ihm die Erkenntnis, dass das indische Essen hier nun ja verbesserungswürdig ist. „Ich war schockiert davon, was hier als indisches Essen verkauft wird“, erzählt er. Kurzum eröffnete er also ohne vorherige Gastronomieerfahrung sein eigenes Restaurant: das Bombay Café Bunty’s.

Modernes Interior wie in London

Und ja, die sonst gern in orange gehaltenen Räume oder Elefantenbilder finden die Gäste hier nicht. Als Vorbild dienten Bunty moderne indische Lokale in seiner Wahlheimat London, wie das Dishoom. Hier werden klassisch indische Gerichte an den europäischen Geschmack nur leicht angepasst und in hipper Einrichtung serviert. Auch das Bombay Café Bunty’s in Berlin-Charlottenburg ist in einem ähnlichen Stil gehalten. Große Ventilatoren rotieren an der Decke und lassen an heißere Tage denken, man sitzt auf Holzstühlen an Tischen in Marmoroptik und an den Tapeten ranken grüne Blätter wie im Dschungel. Bunty sagt, das Interior sei von Cafés in Bombay inspiriert, die vor vielen Jahrzehnten von Iranern dort gegründet wurden und die Kaffeekultur in Indien maßgeblich geprägt hätten. Orte, an denen man lange sitzt, sich mit Freunden austauscht und den Tag gemütlich vorbeiziehen lässt.

Grünkohl statt Mango

Seit gerade mal fünf Monaten, seit Herbst 2018, ist es nun geöffnet und hat Speisen aus verschiedenen indischen Regionen auf der Karte, nach eigener Aussage „the taste of modern India“. Gleichzeitig testet das Team um Bunty, wie sie auch den deutschen Gaumen mit bekannten, regionalen Zutaten kitzeln können. So arbeiten sie etwa auch mit Grünkohl, als Tempura mit Minz-Chutney serviert. Außerdem ist ihnen die Qualität der Zutaten wichtig, für die sie viel Geld ausgeben und mit denen alle Gerichte täglich frisch gekocht werden. Das bedeutet auch: „Wenn ein Gericht an einem Tag ausverkauft ist, ist es aus.“ Dafür ist Charlottenburg gegenüber etwa Berlin-Mitte oder -Kreuzberg ein dankbares Pflaster, so der Neu-Gastronom, denn hier könne man auch die entsprechenden Preise für Qualität verlangen.

Authentische Küche mit Qualitätsanspruch

Doch warum hat sich Berlin mit gutem indischen Essen bisher so schwer getan? In Berlin sei der Wettbewerb zwischen den einzelnen Restaurants nicht so hart wie in London oder Paris, meint Bunty. Hier reiche schon ein guter Ruf aus, um ein Restaurant zu füllen. In anderen Metropolen müsse die Qualität stimmen und man könne es sich nicht erlauben, schlechte Zutaten zu verwenden. Dass London aufgrund der Historie einen ganz anderen Bezug zu indischem Essen hat als die deutsche Hauptstadt, braucht er gar nicht mehr zu erwähnen.

In seinen Augen hat es etwa die vietnamesische Küche in Deutschland bereits viel weiter gebracht als die indische. Bisher gab es nur wenige Versuche, Paneer, Samosas und Co. aus der Ecke der Lieferdienste zu retten und indisches Street Food Dinnertauglich zu machen, etwa durch Läden wie Chutnify. Ob nun mehr Restaurants dieser Art folgen? Das Potential hätte die Küche auf jeden Fall.


Susanna